EADS-Hauptversammlung endet im Chaos
ftd.de, Fr, 17.5.2002, 17:38
Von Gerhard Hegmann, Amsterdam - Die Hauptversammlung des
europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS hat am Freitag in
Amsterdam nach nur zwei Stunden unter chaotischen Szenen geendet. Für
Überraschung sorgte auch der Rücktritt eines Vorstandsmitglieds.
Nachdem Vertreter von Friedensbewegungen Detailfragen zum
Rüstungsgeschäft stellten und Erklärungen abgaben, brach der deutsche
Co-Aufsichtsratschef und Versammlungsleiter Manfred Bischoff die
Fragerunde ab. Die anschließende Abstimmung über die
Tagesordnungspunkte verlief unter lautstarken Protesten der
Rüstungsgegner. Mehrere Vertreter der Organisation ENAAT (European
Network Against Arms Trade) kündigten juristische Schritte an. Sie
äußerten die Hoffnung, dass ein Gericht eine Wiederholung des
Aktionärstreffens anordnen wird. Bischoff, der auch Vorstandsmitglied
bei DaimlerChrysler ist, sagte an die Adresse einer protestierenden
niederländischen Parlamentsabgeordneten, dass "eine Hauptversammlung
keine Plattform für politische Erklärungen ist".
Zur Hauptversammlung der EADS kamen nur etwa 100 der insgesamt rund
eine Million Aktionäre. Dagegen haben jetzt die Rüstungsgegner
offensichtlich das Aktionärstreffen für ihre Interessen entdeckt. Das
deutsch-französisch-spanische Unternehmen ist weltweit der zweitgrößte
Luftfahrtkonzern nach Boeing (USA) und der zweitgrößte europäische
Rüstungskonzern nach der britischen BAE Systems. Hauptanteilseigner der
EADS sind DaimlerChrysler und die französische Sogeade-Gruppe mit dem
Industriellen Lagardère mit jeweils rund einem Drittel der Anteile.
Rund ein Drittel des Kapitals ist breit gestreut. Die staatliche
spanische Industrieholding Sepi hält 5,5 Prozent.
Unerwarteter Rücktritt
Überraschend gab die EADS im Anschluss an die Hauptversammlung den
Rücktritt des für das gesamte Militärflugzeuggeschäft verantwortlichen
spanischen Vorstandsmitglieds Alberto Fernandez bekannt. Begründet
wurde dieser Schritt nicht. Es ist der erste Rücktritt eines Vorstands
in der noch jungen Geschichte der Mitte 2000 gegründeten EADS.
Fernandez trat vor wenigen Wochen bereits als Vorsitzender der
Managementgesellschaft für das Transportflugzeug A400M zurück. Zum
Nachfolger wurde Francisco Fernandez Seinz gewählt.
Unternehmenskenner vermuteten Spannungen zwischen Fernandez und dem
Airbus-Chef Forgeard über die Einbindung und Verantwortung für das
A400M-Projekt. Fernandez wird jetzt auch als Chef der spanischen
nationalen Tochter EADS Casa zurücktreten. EADS-Kenner vermuten einen
Zusammenhang mit dem Wunsch der EADS-Spitze über eine engere
Integration der gesamten spanischen Aktivitäten.
Militärgeschäft wird forciert
Der EADS-Vorstand wiederholte in Amsterdam die Absicht, das
Militärgeschäft stark auszubauen, um die Abhängigkeit vom
Airbus-Geschäft zu mindern. Insbesondere im US-Rüstungsmarkt will die
EADS über Projekte, Exporte und Kooperationen stärker Fuß fassen. "Eine
Mega-Fusion ist aber nicht zu erwarten", sagte Co-Vorstandschef Rainer
Hertrich. Bisher liefert die zivile Airbus-Sparte rund zwei Drittel zum
Gesamtumsatz der EADS von 30,8 Mrd. Euro. Der Umsatz im Militärgeschäft
soll bis 2004 um 50 Prozent auf neun Mrd. Euro klettern, wozu auch das
Großprojekt des Militär-Airbus A400M beiträgt. Insgesamt rechnet die
EADS aus dem Militär-Airbus mit über 18 Mrd. Euro Umsatz. Die
endgültigen Verträge werden in Kürze erwartet.
Nach den Quartalszahlen lag der EADS-Umsatz Ende März mit 6,41 Mrd.
Euro um zwei Prozent über dem Vorjahr. Das erstmals im Quartal
vorgelegte Ergebnis vor Zinsen, Steuern sowie Firmenwertabscheibungen
verbesserte sich um ebenfalls zwei Prozent auf 315 Mio. Euro. Durch die
Firmenwertabschreibungen entstand ein Netto-Verlust von 25 Mio. Euro.
Nach den Spartenergebnissen ging das Ergebnis vor Zinsen und Steuern im
Airbusgeschäft um sieben Prozent auf 396 Mio. Euro zurück. Der
Auftragsbestand lag mit 179,5 Mrd. Euro um zwei Prozent niedriger. Für
das Gesamtjahr wurden die bisherigen Prognosen wiederholt.
© 2002 Financial Times Deutschland